Einzel-Porträts der Glocken von St. Michael

von P. Heribert Graab SJ

Ausbau und Abtransport der Glocken für die Reparatur am 10.01.2008
Ihre älteste, 1777(?) gegossene Glocke, die die katholische Kirche 1815 für ihren neu-erbauten Glockenturm aus dem Kloster Marienrode erhalten hatte und die bereits seit 1914 nicht mehr in Gebrauch war, gab die Gemeinde 1950 an die katholische Notkirche in Grone ab. Sie ist heute im Besitz der Kirche St. Heinrich und Kunigunde in Grone und bildet dort einen Bestandteil des Geläuts.

1914 gab die Kirchengemeinde bei der Gießerei Petit & Edelbrock in Gescher/Westfalen drei Glocken in Auftrag, von denen jedoch die beiden größeren bereits im 1. Weltkrieg enteignet wurden. Die daraufhin 1924 ebenfalls bei Petit & Edelbrock bestellten beiden Glocken wurden 1942 wiederum für Kriegszwecke eingefordert. Erhalten blieb nur die kleinste Glocke des Geläuts von 1914. Nach dem 2. Weltkrieg erhielt St. Michael leihweise zwei Glocken von der Glockensammelstelle Hamburg.

(Foto: Ausbau und Abtransport der Glocken zur Reparatur am 10.01.2008)


 
Erste Glocke (von 1914)

Die erste Glocke (1914)

ist als einzige vom alten Geläut übrig geblieben und hängt also seit 1914 in unserem Kirchturm, von wo sie zum Gottesdienst einlädt. Gegossen wurde diese kleinste Glocke aus Bronze durch die Firma Petit und Edelbrock, Gescher/Westfalen (1914). Sie hat einen Durchmesser von 91 cm, wiegt 405 kg und erklingt im Ton b'.

Ihre Inschrift lautet: „Charitas Christi urget nos. ANNO DOMINI 1914”.

Die Glocke hat schlichte Kronenöhre. Die um den Glockenhals verlaufende Inschrift ist oben und unten von Friesen mit Blattornamenten eingefaßt. Auf der Flanke befindet sich das Zeichen der Glockengießerei, eine Glocke in einem Wappenschild. Auf der anderen Seite ist ein Relief des hl.Vinzenz eingegossen (Foto) - sozusagen als Illustration der Inschrift, aber wohl auch als Zeichen der Hochachtung vor den Barmherzigen Schwestern des hl. Vinzenz, die 1865 zunächst eine Sozialstation neben der Kirche gründeten und wenig später das Krankenhaus Mariahilf. Oberhalb des Schlagrings verlaufen Stege um die Glocke.


 
Zweite Glocke - Detail: Glockenkrone

Die zweite Glocke (1615)

Sozusagen als Ersatz für die beiden im Krieg eingeschmolzenen Glocken erhielt St. Michael nach dem 2. Weltkrieg leihweise zwei Glocken von der Glockensammelstelle Hamburg. Die mittlere Glocke unseres Geläuts stammt aus einer Kirche in Rothwaltersdorf/Schlesien. Von dort wurde sie im 2. Weltkrieg zum Glockenfriedhof Hamburg abtransportiert, aber nicht zu Kriegszwecken eingeschmolzen. St. Michael erhielt diese Glocke nach 1952 - wie gesagt - zur Entschädigung für eine der enteigneten Glocken als Dauerleihgabe. Diese Glocke ist um einiges älter als unsere eigene. Sie wurde bereits im Jahre 1615 aus Bronze gegossen. Sie hat einen Durchmesser von 100 cm, wiegt 585 kg und erklingt in as'.

Die Inschrift am Glockenhals lautet: „RVF MICH AN IN ZEIDT DER NODT SPRICHT DER HER SO WIL ICH DICH ERETEN VND DV SOLT MICH PREISEN ALS GOTES WIL”.

Eine zweite Inschrift befindet sich über dem Schlagring: „WOLFGANGGK CSHISWITZ AVF WALTERSDORF. CHRISTINA CISCHWITZ INGEBORNE STILFRIDIN: VERWVNDERT EVCH DES NICHT DEN ES KOMBT DIE STVNDE IN WELLCHER ALLE DIE IN DEN GREBERN SINDT WERDEN SEINE STIMME HOREN VND WERDEN ERFVRGEHEN DIE DA GVTES GETTAN HABEN ZVR AVFERSTEHVNG DES LEBENS DIE ABER VBELS GETHAN HABEN ZVR AVFERSTEHVNG DES GERICHTES. ANNO DOMINI 1615”.

Die Kronenöhre der Glocke sind mit Maskenköpfen verziert. Um den Glockenhals verlaufen ober- und unterhalb der Inschrift Friese mit Blattornamenten.


 

Die dritte Glocke (1645)

ist zugleich die größte Glocke im Turm von St. Michael. Sie stammt ebenfalls aus Schlesien, aus einer Kirche in Friedland. Von dort wurde auch sie im 2. Weltkrieg zum Glockenfriedhof Hamburg abtransportiert und nicht zu Kriegszwecken eingeschmolzen. St. Michael erhielt die Glocke 1952 als Entschädigung für eine der enteigneten Glocken als Dauerleihgabe. Auch diese Glocke wurde aus Bronze gegossen und zwar im Jahr 1646. Sie hat einen Durchmesser von 106 cm, wiegt 690 kg und schlägt den Ton ges' an.

Die Inschrift um den Glockenhals lautet: „IMMOLA DEO SACRIFICIVM LAVDIS ET REDDE ALTISSIMO VOTA TVA ET INVOCA ME IN TRIPVLATIONE ERVAM TE HONORICABIS ME PSAL.50”.

Die Inschrift auf der Flanke: „ZV DER ZEIT PFARRHERR DANIEL MODER AMBTMANN MELCHIOR FRIEBE BVRGE MEISTER KASPER TRAPPE RAHTSVERWANTE FRIDRICH BERCKMANN CHRISTOPH TOLCH STADTVOGT HANS HARDER ME FECIT MARTIN SCHRETER: IM 1646 DEN 9 SONTAG TRINITATIS IST DIESE KIRCH SAMBT DEM STEDLEIN ALLES ABGEBRENT”.

Eine dritte Inschrift über dem Schlagring: „H.H.H. VON HOBERG RO: KAY. MAY. RATH. D. BEIDER FVRSTHIMER SCHWEIDNITZ V. JAVER AMBTSVERWALTER. KIRCHVATER HANS KASPER MERTTEN HILSCHER GOERGE STECKE”.

Die Kronenöhre der Glocke sind mit Maskenköpfen verziert. Um den Glockenhals verlaufen ober- und unterhalb der Inschrift Friese mit Blattornamenten.