Die Jesuiten und Göttingen

Ignatius von Loyola, der Gründer des Jesuitenordens

Iñigo – so nannten ihn seine Freunde – wurde 1491 in eine bewegte Zeit hineingeboren: Christopher Columbus entdeckt Amerika, Johannes Keppler das heliozentrische Weltbild und Martin Luther rüttelt an den Säulen der abendländischen Kirche! Ähnlich wie der deutsche Reformator trieb ihn die Frage um: Wie finde ich Gnade vor Gott?
Über lange Zeiten der Anfechtung, der Askese und Selbstkasteiung entdeckte er die Exerzitien als Schlüssel zum Leben. Mit den „geistlichen Übungen” startete er eine spirituelle Frischzellenkur, die schließlich mithelfen sollte, die katholische Kirche von innen zu erneuern. Aus einer Gemeinschaft von Gefährten um Ignatius wurde die „Compania de Jesus”, die „Gesellschaft Jesu”, der Jesuitenorden.

Die Jesuiten

Heute zählt der Orden weltweit ca. 18 000 Mitglieder. Die Zentrale des Ordens ist in Rom, in unmittelbarer Nähe zum Petersplatz. In Deutschland gibt es etwa 400 Jesuiten, die durch einen Provinzial geleitet werden. Die Patres und Brüder engagieren sich an zwei Hochschulen, drei Gymnasien, z. T. mit Internat, im Bereich Spiritualität, Beratung, Seelsorge, geben diverse Zeitschriften und Magazine heraus, betreiben Jugend- und Studentenarbeit und versuchen neuen Formen pastoraler Arbeit in der modernen Gesellschaft Konturen zu geben. Darüber hinaus sind die deutschen Jesuiten in Skandinavien, Rom und weltweiten Projekten der Jesuiten tätig.

Mehr zur Geschichte und zur Tätigkeit der Jesuiten ist auf den Internetseiten der deutschen Jesuitenprovinz zu finden.

Die Jesuiten in Göttingen

Derzeit (Stand März 2013) gibt es in Göttingen fünf Jesuiten:

P. Otto Schabowicz SJ (geb. 1947):

P. Schabowicz ist der „Minister” und „Ökonom” der Gemeinschaft, verantwortlich für die praktischen Dinge wie Haushalt und Finanzen. Neben Mitarbeit in der Pfarrei engagiert er sich beim VKM (Verband Katholischer Männer / Männerseelsorge im Bistum Hildesheim). P. Schabowicz hat seine Wurzeln in der Arbeiterseelsorge, die ihm auch heute noch am Herzen liegt.

P. Manfred Hösl SJ (geb. 1965):

P. Hösl ist Pfarrer und Cityseelsorger in Göttingen an Sankt Michael. Neben der Gemeindeseelsorge experimentiert er mit modernen Formen der Pastoral.

† P. Fritz Abel SJ (geb. 1930):

Fritz Abel verstarb am 17.3.2013 in einem Dortmunder Krankenhaus. P. Abel war der Senior der Kommunität. Der jahrelange Dienst in der Schule als Lehrer hatte ihn jung gehalten. Er zelebrierte regelmäßig im Krankenhaus Mariahilf und im katholischen Seniorenstift St. Paulus die Heilige Messe, half in der Pfarrei und war ein gefragter Beichtseelsorger.
 

P. Wolfgang Müller SJ (geb. 1936)

P. Müller hat viele Jahre Exerzitienkurse gegeben und in der GCL (Gemeinschaften christlichen Lebens) mitgearbeitet. Er verbindet ignatianische Spiritualität mit dem sogenannten „Enneagramm”, einem geistig-psychologischen Zugang zu den neun Typen der Persönlichkeit des Menschen. In Göttingen arbeitet er in der Krankenhaus- und Pfarrseelsorge mit.
 

P. Theo Schneider SJ (geb. 1946)

P. Theo Schneider SJ war über viele Jahre als Erzieher und Lehrer am Aloisiuskolleg in Bonn tätig, zuletzt als Leiter des Kollegs. Im Rahmen des seit 2010 grassierenden Missbrauchskandals übernahm er die politische Verantwortung und trat als Rektor zurück. In Göttingen ist er in der Gemeinde, im Dekanat und darüber hinaus aktiv. Als Superior vertritt er die Göttinger Jesuiten nach außen und koordiniert das Gemeinschaftsleben innen. Er liest gerne gute Literatur und ist ein ausgezeichneter Koch...
 

P. Nguyen Quoc Trieu SJ (geb. 1976)

P. Nguyen Quoc Trieu (sprich: Pater Tschu) kam als 10jähriger Junge über ein Flüchtlingslager nach Deutschland. Er gehört zu den sogenannten Boat People. Seine Familie lebt teilweise in Vietnam und teilweise in Oldenburg. Ein Bruder gehört dem Orden der Weißen Väter an und wirkt in Afrika. P. Trieu wurde nach seinen theologischen Studien mit abschließender Diakonenweihe in London im Oktober 2012 in Berlin zum Priester geweiht. Seit Herbst 2012 ist er Kaplan in Sankt Michael und hier besonders für die Erstkommunion- und Firmung zuständig.

Zur Kommunität gehören ferner: 

P. Fritz Schwaiger SJ (geb. 1948). Er ist Spiritual am Priesterseminar in Hildesheim und Exerzitienbegleiter. 

P. Christoph Wrembek SJ (geb. 1942). Er wohnt in Hannover, ist Priesterseelsorger und verantwortlich für missionarische Arbeit in Estland.


Chronik der Jesuiten in Göttingen

1941 (bis 1949) P. Gustav Grauvogel kommt nach Göttingen. Er wirkt als Seelsorger, erteilt Konvertitenunterricht, ist in der Studentenseelsorge tätig und lehrt Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule in Göttingen. Im „Bund Neudeutschland” (ND) ist er einer der profiliertesten Führungskräfte. Ab Oktober 1946 ist er Wölflingskurat der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG).
1946 P. Leppich wird nach dem Krieg Lagerpfarrer in Friedland. Durch die vielen Flüchtlinge aus Schlesien steigt die Zahl der Katholiken sprunghaft.
1950 Gründung der Jesuitenkommunität („Statio”) mit Übernahme der Pfarrei Sankt Michael
P. Bolkovac wird Pfarrer der KSG (Katholische Studentengemeinde = Vorläufer der KHG: Katholische Hochschulgemeinde)
P. Großstück wird Pfarrer an Sankt Michael, P. Mattelé (Schwerpunkt: Religionsunterricht am Felix-Klein-Gymnasium, sowie Jugendarbeit) und P. Lewald (zugleich Kurat der DPSG) werden Kaplan; bis ca. 1961 gab es in Sankt Michael bis zu drei Kapläne gleichzeitig, da bis dahin die heutige Pfarrei Maria Königin des Friedens in Geismar noch zum Pfarrgebiet gehörte. Die Kapläne waren meist für die zu Sankt Michael gehörenden Dörfer zuständig.
1952 P. Alexi wird Kaplan und Kurat der DPSG.
1953 P. Martin wird Superior und Pfarrer an Sankt Michael
P. Freiburg wird Pfarrer der KSG
1954 P. Leppich führt in Göttingen mehrere Großveranstaltungen durch. Themen waren u.a.: „Proleten oder Prälaten” und „Ehebruch oder Bruchehe”...
1955 P. Bibo wird Kaplan und Kurat der Georgspfadfinder.
1959 P. Weißhaar wird Kaplan und Kurat der Georgspfadfinder; P. Redeker kommt als Kaplan in die Kommunität.
1960 P. Linden wird Kaplan und Kurat der Georgspfadfinder.
1961 Am 1. März 1961 wird Sankt Michael Pfarrei: P. Groß kommt als Kaplan in die Kommunität und ist als Religionslehrer tätig; P. Linden ist ebenfalls Kaplan; P. Freiburg wird Superior.
1962 Die Kommunität wird verstärkt durch P. Jakobs als Kaplan, der für Jugendarbeit (u.a. Pfadfinder) und Schulseelsorge zuständig ist. Mit Ideen und Geld unterstützt er den Ausbau des Jugendkellers unter dem damaligen Pfarrzentrum.
1963 P. Kalarikal, ein Jesuit aus Indien arbeitet drei Jahre am Max-Planck-Institut (MPI) und lebt in der Kommunität.
1965 P. Bibo kommt zum zweiten Mal nach 1955 nach Göttingen und wird Pfarrer.
1966 P. Abel kommt als Kaplan (zum ersten Mal) nach Göttingen. Er ist als Kurat für die Pfadfinder zuständig und arbeitet z. B. mit im Leitungsteam während eines Großlagers mit Schweizer Pfadfindern an der Ostsee; P. Molel, ebenfalls ein indischer Mitbruder arbeitet für drei Jahre am MPI.
1967 P. Weymann wird Pfarrer an Sankt Michael; Pfarrei und Jesuiten ziehen in das Michaelshaus in die Turmstraße 6.
1968 P. Schlax wird Kaplan; P. Freiburg erkrankt schwer; die Jesuiten ziehen sich bis 1973 aus der KSG zurück.
1970 - 1973 P. Elbern wird Superior. P. Knupfer ist von 1972 bis 1973 als Kaplan tätig. In Dransfeld wird bis 1984 P. Witteaar Pfarrer.
1973 Die Ostprovinz „übernimmt” Göttingen: P. Pfahl baut die KSG wieder auf, P. Greif wird Pfarrer an Sankt Michael. Er ergreift erste Initiativen zum Bau des neuen Gemeindezentrums. Kaplan wird P. Bayer. Er widmet sich der Familien- und offenen Jugendarbeit. Desweiteren ist er Mitbegründer des heute noch bestehenden „76er Familienkreises” (FKSM 76).
1.1.1974 Nachgeholte, offizielle Übernahme durch die Ostdeutsche Jesuitenprovinz; P. Ortscheid wird Superior und Klinikseelsorger; P. Goderski ist für die Akademikerseelsorge im Bistum zuständig, übernimmt ab 1980 die Seelsorge in Hahnenklee, gehört aber weiter zur Kommunität. P. Eich engagiert sich in den Jahren von 1973 bis 1976 für die „Aktion 365”. Diese Einrichtung wurde durch P. Leppich ins Leben gerufen. Seit den 50er Jahren gibt es in Göttingen eine aktive Gruppe!
1975 - 1977 P. Ruff ist als Psychologe im Landeskrankenhaus (heute: Asklepiosklinik) tätig.
1976 P. Hillig (er ist u. a. Geistlicher Begleiter des FKSM 76) und P. Nitsche verstärken die Kommunität.
1977 P. Fischer übernimmt die Leitung der KSG.
1978 P. Remmert löst P. Fischer in der KSG ab. P. Hock löst P. Ortscheid als Klinikseelsorger ab.
1979 P. Hock wird Superior, P. Steffens wird Pfarrer von Sankt Michael. P. Steffens besorgte die künstlerische Gestaltung der Kirche und die Außenfassade. Die Realisierung erfolgt durch den Künstler Joseph Baron. P. Steffens führt des weiteren den Bau des Gemeindezentrums durch, saniert die Gemeindeverwaltung, ist Stammeskurat der DPSG und ordnet den Kindergarten St. Michael neu.
P. Schaefer wird Klinikseelsorger und Geistlicher Begleiter des FKSM 76.
1980 P. Duell übernimmt die KSG; P. Seidel studiert an der Universität.
1982 P. Riedel verstärkt die Kommunität als Religionslehrer am THG und KSJ-Pfarrer. Im Gebäude der Nikolaistraße 10 betreibt er eine offene Jugendarbeit.
1985 P. Kathke löst P. Hock als Superior und Klinikseelsorger ab. Von ihm stammt übrigens die Beschreibung des Altarbildes im Andachtsraum des Klinikums.
1986 P. Graab wird Pfarrer in Sankt Michael und leitet eine neue Ära ein. Als Schwerpunkte seiner Arbeit seien nur genannt: Kommunal- und sozialpolitische Aktivitäten (u. a. Einrichtung der gemeindlichen Armenspeisung „Mittagstisch”), Einbau der neuen Eisenbarth-Orgel, „Gemeinde unterwegs – Wallfahrten”, diverse Freizeiten, Aufbau der Citypastoral, Aufbau der Weihnachts- und Osterkrippe, Neugestaltung des Außenbereichs rund um das Pfarrhaus, Errichtung des Jugendkellers im Gemeindezentrum, langjähriger Kurat der Georgspfadfinder, u. v. a. m.
1987 P. Sassin wird Kaplan.
1990 P. Neyer wird Kaplan; P. Muschalek stößt zur Kommunität hinzu.
1991 P. Neyer wird Superior.
1992 P. Pischel wird Altenheimseelsorger und Geistlicher Begleiter des FKSM 76. P. Mitchell beendet sein Terziat in Göttingen.
1993 P. Jochum wird Klinikseelsorger; P. Pawlicki wird Religionslehrer an der Bonifatiusschule, sowie Jugend- und Schulseelsorger.
1996 P. Scheungraber wird Kaplan.
2000 P. Löwenstein wird Kaplan und mitarbeitender Priester an der KHG.
2001 P. Hillebrand wird Kaplan; P. Liesner Altenseelsorger.
2003 P. Wiedenhaus wird Kaplan; P. Deeken kommt für ein Sabbatjahr nach Göttingen.
2004 P. The wird Kaplan; P. Hillebrand wechselt in die KHG
2006 P. Lautenbacher wird Superior; Fr. Bauer arbeitet in der Pfarrei und im Klinikum mit.
2007 P. Abel kommt nach 1966 wieder nach Göttingen; P. Lipke, Priester im Noviziat in Nürnberg, wird für ein Jahr Studentenseelsorger in der KHG; P. Soyer wird Kaplan in Sankt Michael. Er kümmert sich besonders um die Jugend. In seiner Zeit wird der Jugendkeller renoviert.
2008 P. Hösl wird Pfarrer in Sankt Michael; P. Lautenbacher wird Seelsorger an der KHG; seine Aufgabe beim VKM (Verein Katholischer Männer) übernimmt P. Schabowicz, der gleichzeitig Minister und Ökonom des Hauses ist.
2009 P. Watzek wird Kaplan in Sankt Michael. Als Diakon kommt er im Sommer in Kommunität und Pfarrei. Am 7. November feiert das Dekanat seine Priesterweihe in St. Paulus durch Bischof Norbert Trelle. Am 8.11. feiert die Gemeinde Sankt Michael seine Primiz – die Predigt hält P. Martin Stark SJ aus Berlin.
2010
Der sogenannte Missbrauchsskandal erschüttert auch die Göttinger Jesuiten. Der Mittagstisch St. Michael feiert sein 20 jähriges Jubiläum, zu dem der Gründer dieser Einrichtung, P. Heribert Graab anreist und die Festpredigt hält. Im Dezember verlässt P. Watzek die Kommunität und Göttingen, um in Berlin weiter zu wirken. P. Lautenbacher steigt für ihn verstärkt in die Gemeinde ein.
2011
Im Mai verabschieden Gemeinde, Kath. Hochschulgemeinde und Jesuiten-Kommunität P. Benedikt Lautenbacher, der fast sechs Jahre als Superior und Hochschulseelsorger tätig war. Kurz zuvor war P. Wolfgang Müller aus Bühl zur Kommunität hinzugestoßen. Er wirkt als Krankenseelsorger in den Göttinger Kliniken und arbeitet in der Gemeinde mit. Neuer Superior ist ab September P. Theo Schneider.
2012
Unser externes Mitglied Gundikar Hock SJ in Hildesheim ist ist nach 13 Jahren als Spiritual durch P. Fritz Schwaiger SJ ersetzt worden. P. Schwaiger war vorher Spiritual im Würzburger Seminar und hat daneben Exerzitien gegeben. P. Hock SJ, seit 2004 zur Göttinger Kommunität zugerechnet, leitet seit 1. Dezember 2011 als Superior das Altenheim der Jesuiten in Berlin-Kladow.
Seit Herbst 2012 verstärkt P. Nguyen Quoc Trieu SJ als Kaplan das Seelsorgeteam von Sankt Michael.
2013
Am 17.3. verstarb der Senior der Kommunität, P. Fritz Abel SJ, in einem Dortmunder Krankenhaus und wurde in Köln beigesetzt.