Der jüdische Witz – Gemeindezentrum St. Michael am 19. Oktober 2025
Aufgewachsen bin ich mit Salcia Langmanns „Der jüdische Witz“, daher mein Interesse an der Veranstaltung in St. Michael: rund 40 TeilnehmerInnen trafen sich zu einem Lernnachmittag mit Rabbiner Levi Israel Ufferfilge aus Oldenburg: er führte auf lebendige Weise durch zweieinhalbtausend Jahre jüdischen Humor – mit ernster Note: vor dem Gemeindezentrum stand ein Polizeiwagen.
Im Tanach, der hebräischen Bibel, gibt es zahlreiche humorvolle Geschichten: In der Tora meckerten die Israeliten über Kleinigkeiten in der Wüste, im Buch der Richter tötet Jaël einen Feldherrn mit einem Zeltpflock durch die Schläfe, weil Frauen keine Waffen benutzen durften – Quentin Tarantino ließ sich von ihr inspirieren. Bei den Propheten wird Haman in der Esther-Geschichte lächerlich gemacht, die Geschichte wird besonders an Purim mit Verkleidungen und Rasseln aufgeführt. Die Schriften (Ketuvim) vermitteln paradoxe Weisheiten: „Je mehr du weißt, desto schlechter schläfst du.“
Der Talmud kommentiert den Tanach mit spitzen Fragen und humorvollen Spitzfindigkeiten, oft nicht ernst gemeint. Galgenhumor zeigt sich auch im Midrasch, wo selbst angesichts von Verfolgung Hoffnung und Lachen nicht verloren gehen: „Auch wenn ein scharfes Schwert an meinem Hals liegt – ich darf die Hoffnung nicht verlieren“ - das ist „farshrokn lakh’n“, erschrockenes / ängstliches Lachen.
Die frühe Neuzeit brachte Purim-Theater und Klezmer, später Jiddische Ritterromane und Geschichten über die „Weisen von Chełm“ (wie die Schildbürger). Ende des 19. Jahrhunderts entstanden jiddische Theaterstücke wie „Anatevka“: der Milchmann Tevje zitiert die Bibel und das zur Freude aller immer unfreiwillig komisch und falsch. Im 20. Jahrhundert sah Siegmund Freud Humor als Ventil des Unbewussten, und in den USA machten jüdische Comedians Humor breit zugänglich.
Mein Lieblingswitz des Nachmittags:
Im Krankenhaus wacht ein Mann nach langem Koma auf.
„Schatz,“ flüstert er, „als ich pleite war, warst du bei mir.
Als ich das Haus verlor, warst du bei mir.
Jetzt, wo ich krank bin, bist du wieder hier.“
Die Frau ist gerührt und lächelt liebevoll.
Er seufzt: „„Weißt du, Liebling… ich glaub, du bringst mir kein Glück.“
Wolfgang Felber



