P. Michael Beschorner SJ verkündet seinen Advent

Dass „Advent“ auf Deutsch „Ankunft“ bedeutet, werden Sie als Leserinnen und Leser dieses Pfarrbriefes natürlich wissen und darüber sicher auch schon häufig nachgedacht haben. In diesem Jahr wird es für die Pfarrei St. Michael etwas handgreiflicher und plastischer.

Als neuer Pfarrer, von denen Sie sicher auch schon so manche erlebt haben, „verkünde“ ich, Pater Michael Beschorner SJ, meine Ankunft in Ihrer Gemeinde und Gemeinschaft. Mit dem 1. Advent darf ich in den Dienst der Gemeindeleitung einsteigen und als Jesuit gern Seelsorger und geistlicher Begleiter sein.

Seit 1992 bin ich im Orden und habe praktisch immer Aufgaben mit jungen Menschen übertragen bekommen. Schon im Noviziat beginnend, habe ich ein Gemeindepraktikum in der Jesuitenpfarrei „St. Canisius“ in Berlin-Charlottenburg gemacht und war dort unter anderem schon für Jugendarbeit verantwortlich.

Acht Jahre lang war ich später Schulseelsorger und Religionslehrer im Dresdener St. Benno-Gymnasium. Dabei habe ich mich auch um die Jugend der Gemeinschaft Christlichen Lebens (GCL) gesorgt. Für weitere fünf Jahre hatte ich später die Verantwortung für den jesuitischen Freiwilligendienst, den Jesuit European Volunteers (JEV), die heute in den Jesuit Volunteers (JV) aufgegangen sind.

In den vergangenen 14 Jahren war ich Studierendenpfarrer der KSG „Thomas v. Aquin“ zu Dresden. Es hat mir immer sehr viel Freude bereitet, gerade junge Menschen auf ihren Wegen in den verschiedensten Lebensabschnitten begleiten zu dürfen. Aus der Studierendenschaft sind auch so manche Familien mit zahlreichen Kindern hervorgegangen, die ich ebenfalls mit Trauungen und Taufen begleitet habe. Nun darf ich hier in Göttingen beginnen und freue mich auf eine gedeihliche Zusammenarbeit mit Ihnen.

Wir leben in großen Umbruchzeiten und christlicher Glaube und katholische Kirche sind vielerorts nicht nur hinterfragt, sondern auch angefeindet. Da ich als Hallenser in der ehemaligen DDR aufgewachsen bin, weiß ich, wovon ich da rede. Viele Menschen verlassen die kirchliche Gemeinschaft.

Aber ich glaube, dass gerade heute eine lebendige Christusbeziehung möglich ist und auch gelebt werden kann, denn Gott hat uns seinen Bund versprochen und hält ihn mit uns durch alle Zeiten hindurch (Gen 9, 11ff). Deshalb bin ich davon überzeugt, dass die christliche Botschaft weiterhin bedeutend ist. Viele sicher geglaubte christliche Werte wie gegenseitige Achtung, Respekt und eine selbstlose Fähigkeit, den anderen Menschen so anzunehmen, ja sogar zu lieben, wie die Person von Gott geschaffen wurde, gehen im aktuellen Lebensdiskurs scheinbar oft immer mehr verloren.

Aber es geht um den Kern der Botschaft, dass Er wirklich da ist, dass Er Leben ist und mir ganz persönlich als Individuum Begleitung und Halt sein möchte! Eine Hilfe dafür ist kirchliches Gemeinschafts-Leben, um das aber immer wieder gerungen und das entsprechend
ausformuliert und gestaltet werden muss. Das Aufrechterhalten reiner kirchlicher Kulturlandschaften ist dabei wenig hilfreich. Menschen, die glaubend auf der Suche nach Sinn sind, Wege zu erfüllendem Leben aufzuzeigen, darin sehe ich unseren Auftrag, den wir aber nur gemeinsam annehmen und, so gut es geht, erfüllen können.

So bitte ich für uns alle um Gottes begleitenden Segen.

Auf ein gutes Miteinander!


Pater Michael Beschorner SJ