Höchste Professionalität und ansteckende Musizierfreude
Konzert der „Sonidos de la Tierra“ in St. Michael
Wer dieses Ensemble schon von den Auftritten in vergangenen Jahren kannte, wusste bereits vorab, worauf er sich freuen konnte. Doch an diesem Abend übertrafen die Darbietungen der jungen Musikerinnen und Musiker die kühnsten Erwartungen.
In dem abwechslungsreich zusammengestellten Programm erklangen zunächst verschiedene Kompositionen der Barockzeit aus den jesuitischen „Reduktionen“ Südamerikas in unterschiedlichen Besetzungen. Dabei fiel sofort nicht nur die perfekte Präzision im Zusammenspiel bei gleichzeitig spontaner Spielfreude auf, sondern auch die beispielhaft angewendete historische Aufführungspraxis in der Gestaltung der „Alten Musik“: Tempo-Relationen, Phrasierungen, der bewusste Einsatz von (oder auch Verzicht auf) Vibrato, die leichte Bogenführung (mit Barock-Bögen!) der Streicher – es stimmte einfach alles.
Die Sängerinnen und Sänger überzeugten zudem nicht allein durch ihre wunderschönen Stimmen und ihre ausdrucksstarke Interpretation, sondern offenbarten daneben auch überraschendes schauspielerisches Talent. Das kam dann im zweiten Teil noch einmal besonders zur Geltung. Hier erklangen Werke, die offenbar in einer Art „Dialog“ zwischen Barockmusik und indigener Folklore entstanden sind. Sie boten dem Ensemble die Möglichkeit, ihr südamerikanisches Temperament wie ein Feuerwerk zu entfalten und damit das Publikum buchstäblich „von den Stühlen“ zu reißen.
In lang anhaltenden Standing Ovations erbat sich die begeisterte Menge in der gut besetzten Kirche zwei feurige Zugaben, bevor sich alle froh und dankbar auf den Heimweg begaben.
Ingrid Stampa








