Atempause: Kleiner Impuls zum Luftholen

Für die Zweite Fastenwoche

Das Misereor-Hungertuch dieser Fastenzeit lädt uns ein zu Meditation und Gebet.

Wir erkennen die Strukturen eines menschlichen Fußes mit stilisierten Umrissen einzelner Knochen. Es ist die künstlerische Umsetzung des Röntgenbildes eines Fußes, der durch Gewalteinwirkung brutal zerstört wurde. Seine feine Anatomie ist kaum mehr erkennbar, der Umriss erscheint gläsern und zerbrechlich. Blüten liegen unter und neben den Umrissen des Fußes. Sie leuchten in goldener Farbe.

Als Vorlage nutzte die Künstlerin das Abbild des gebrochenen Fußes eines Menschen, der 2019 bei Demonstrationen gegen soziale Ungerechtigkeit in Santiago de Chile ein Opfer staatlicher Polizeigewalt wurde.

Mir sind beim Betrachten des Hungertuchs ein paar weitere Gedanken gekommen, die in eine andere Richtung gehen. Überschreiben möchte ich sie mit einem Vers aus Psalm 31:

Du stellst meine Füße auf weiten Raum

Gott hat unsere Füße auf ein weites Feld gestellt, das unendlich weite Feld seiner Schöpfung. Wir dürfen es betreten und uns voll Neugier und voller Zuversicht auf den Weg machen. Vom Anfang der Schöpfung her sind wir nicht allein unterwegs. Menschen begleiten uns und kreuzen unsere Wege. Dann kann es auch mal eng werden, und wir können miteinander kollidieren. Vielleicht treten wir manchmal anderen auf die Füße oder kommen gar mit dröhnenden Stiefeln daher.

Guter Gott! Du hast uns mitten in Deine Schöpfung gestellt. Du willst, dass wir uns auf den Weg machen. Lass uns allen Menschen, die unsere Wege kreuzen, mit Rücksicht und einem Lächeln begegnen. Hilf uns, dass wir es schaffen, in dieser Fastenzeit innezuhalten. Lass uns erkennen, wo wir denen helfen können, die gebrochen an Leib oder Seele mit uns unterwegs sind, und lass sie neue Zuversicht schöpfen. Gib, dass wir mit unseren Füßen Deine weiten Räume ertasten und vorsichtig auftreten, damit wir die zerbrechlichen Geschenke Deiner Schöpfung nicht zertreten.

Kurt Mengel