Atempause: Kleiner Impuls zum Luftholen

Für die Vierte Fastenwoche

Laetare – Gesang als Kraftspender

Fasten heißt Verzicht, Einschränkung. Dies gilt auch für die Musik. Während der Fastenzeit wird den Gottesdienstbesuchern eine kleine musikalische Jubelpause verordnet: Das „Gloria“ entfällt ersatzlos, an die Stelle des „Halleluja“ tritt ein schlichter „Ruf“.

Zwischen Gründonnerstag und Osternacht verstummt dazu noch die Orgel. Wenn dann in der Osternacht der Auferstehungsjubel in kraftvollem Gesang und Orgelspiel losbricht, wird die Erlösung von Tod und Verzicht regelrecht körperlich spürbar.

Was den Gemeindegesang betrifft, hat die jetzige Fastenzeit nicht erst am diesjährigen Aschermittwoch begonnen. Seit Monaten ist der Gemeindegesang aus Gründen des Gesundheitsschutzes untersagt. Den meisten von uns fehlt diese Möglichkeit der aktiven gottesdienstlichen Teilhabe sehr. Die eigene Stimme erheben, im Verbund mit vielen anderen einen gemeinsamen Gesang anstimmen, Gemeinschaft spüren, Befreiung, Gottes Nähe im Singen erfahren – das alles bleibt uns gerade verwehrt, und wir spüren schmerzlich, wie wichtig uns das gemeinsame Singen ist.

Damit wir beim Fasten und Warten nicht die Zuversicht verlieren, braucht es Inseln der Hoffnung, auf denen wir Kraft für die nächste Etappe tanken können. Auch die Kirche kennt solche „Atempausen“ beim Fasten. Der vierte Sonntag der Fastenzeit trägt den Titel „Laetare“ („Freut euch“) und fällt dieses Jahr auf den 14. März. Das dunkle liturgische Violett der Messgewänder – erhellt durch das aufscheinende Licht der Auferstehung – weicht für einen kurzen Moment einem freundlicheren Rosa.

Mitten in der Fastenzeit feiert der liturgische Eröffnungsgesang an diesem Sonntag das Leben in Fülle:

Freut euch mit Jerusalem! Jubelt in der Stadt, alle, die ihr sie liebt. Seid fröhlich mit ihr, alle, die ihr über sie traurig wart. Saugt euch satt an ihrer tröstenden Brust, trinkt und labt euch an ihrem mütterlichen Reichtum!

Diese Lebensfreude hat der venezianische Komponist Andrea Gabrieli (1533-1585) in einem seiner „Sacræ cantiones“ („Heilige Gesänge“) wunderbar in fröhlich-festliche Töne gekleidet. Wenn wir schon nicht gemeinsam singen können, so können wir doch anderen beim gemeinsamen Singen zuhören.

In diesem Sinne möchte ich Sie und Euch dazu einladen, den jubelnden Stimmen zu lauschen, und dabei die Kraft und Zuversicht zu tanken, die uns durch diese Zeit des Verzichts tragen kann.

Stephan Diedrich