Kreuzweg mit fünf Stationen und zehn Bildern

Andacht in der Fastenzeit mit vielen Beteiligten

Nach vielem Hin und Her hat man sich in Sankt Michael ja bekanntlich dafür entschieden, keinen festen Kreuzweg in der neuen Kirche zu installieren. Das bedeutet aber nicht, dass es gar keinen gäbe. 

Der Kreuzweg ist Teil er umfassenden, "katholischen" und mobilen Lösung: Nicht rein-oder-raus? sondern et...et (sowohl als auch). Und in der Fastenzeit ist er somit (wieder) da - der alte Kreuzweg von Josef Baron!

Unsere Küster haben fünf Stationen im Mittelgang positioniert, so dass man in diesen Tagen regelrecht auf den Kreuzweg draufgestossen wird. Im Laufe der kommenden Wochen werden die Platten ausgetauscht werden, so dass im Laufe der österlichen Bußzeit alle Stationen zu sehen sein werden.

Für den ersten Kreuzweg wurden die Stationen I, IV, VII, X und XIII ausgewählt. Eine stattliche Gemeinde von jungen und älteren Christen war gekommen, um den Kreuzweg wortwörtlich mitzugehen, von hinten nach vorne. Peter Krause trug dabei das verhüllte Vortragekreuz und Marianne Krause steuerte die Meditationen aus der Kreuzwegandacht im Gotteslob bei. P. Hösl schließlich erläuterte kurz die auf den Platten abgebildeten Szenen. Dabei besteht ja jede Station aus zwei Szenen: Im oberen, größeren Bereich die bekannte Kreuzwegsstation, darunter eine weitere Szene, von der zumindest nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist, warum der Künstler Josef Baron ausgerechnet dieses Motiv wählte und der betreffenden Kreuzwegstation beigesellte. Die Stationen im einzelnen:

I. Station: Pilatus verurteilt Jesus zum Tode. Klein darunter dargestellt: Die sich ins obere Bild räkelnde Schlange aus dem Paradies, die schließlich zur Frau und Gemahlin des Pilatus (Claudia) wird. Soll hier der bösen Einflüsterin (Schlange) die positive Einflüsterin ("Du habe nichts zu schaffen mit diesem Gerechten...!" vgl. Mt 27,19) gegenübergestellt werden? Leider haben Adam und Eva auf die negative Einflüsterung gehört, während Paulus die positive igniorierte...

 IV. Station: Jesus begegnet seiner weindenenden Mutter. Korrespondierend unten ist die Hochzeit zu Kana abgebildet. Stehen die 6 Krüge Wasser für die vergossenen Tränen der Maria? Sicher hat man auch Mariä Aufforderung (vgl. Joh 2,5) im Ohr: Was ER euch sagt, das tut!

VII. Station: Jesus fällt zum zweiten Mal unter das Kreuz. Der gefallene und gebeugte Jesus erhält kein Mitleid. Im Gegenteil: Der Soldat drischt mit grausamen Marterwerkzeug auf ihn ein. Darunter: Kain und Abel, der erste Brudermord. Was bringt Menschen dazu einander so grausam zu sein?

X. Station: Jesus wird seiner Kleinder beraubt. Als wären die körperlichen Schmerzen nicht schon schlimm genug wird Jesus nun auch den Blicken der Voyeure ausgesetzt. Sein wann gibt es eigentlich dieses Schamgefühl? Die Szene unten bringt die Antwort: Seit Adam und Eva von der verbotenen Frucht gegessen hatten und deswegen aus dem Paradies verwiesen worden waren.

XIII. Station: Jesus wird in den Schoß Mariens gelegt. Nach 33 Jahren liegt Jesus wieder auf dem Schoss Mariens, wie damals als Baby, jetzt freilich tot. Letztlich ist Jesus damals bei seiner Geburt dem Tod ja nur knapp entkommen - die deutet die Szene unten an, der Kindermord von Bethlehem! Der lange Arm des Herodes hat Jesus somit - über seinen Gesinnungsgenossen Pilatus - doch noch erreicht.

Gemeinsam wurde zwischen den Stationen gesungen. Beim nächsten Mal sind dann die Stationen II, V, XIII, XI und XIV dran.