Projekt 1000+ stellt sich vor: Hilfe statt Abtreibung

Frau Ndema erklärt die Babyflaschenaktion und steht für Anfragen nach den Gottesdiensten zur Verfügung

 

Für viele ist es das kirchliche Dauerthema

schlechthin, andere machen einen Bogen darum oder verschweigen es. Kaum ein Thema spaltet die (katholische) Kirche so wie Abtreibung. Für die einen steht mit dem Nein zur Abtreibung der Glaube überhaupt auf dem Prüfstand, die anderen ignorieren es einfach. Der jährlich stattfindende und immer größer werdende Marsch für das Leben in Berlin ruft jedes Jahr viele Gegendemonstranten auf den Plan, Leute mit denen man bei anderen Themen wie Klimaveränderung oder Kampf gegen Armut sonst auf der gleichen Seite steht.

Dabei scheint es nicht immer um die Sache an sich zu gehen, sondern um den Weg die Abtreibungszahlen zu senken, wenn schon die völlige Abschaffung nicht realistisch zu sein scheint. Abtreibungsgegner finden die Kirche im Kampf gegen Abtreibung oft zu lasch - umgekehrt stören sich Skeptiker und Bedenkenträger an der oft krassen Sprache mancher Abtreibungsgegner ("Babyholocaust", "Abtreibung ist Mord", usw.)

Soll man - wie etwa Donum Vitae - den Beratungsschein ausstellen, in der Hoffnung dass dann die eine oder andere Konfliktberatung für das werdende Kind entschieden werden kann?

Oder soll man einen klaren Schnitt machen, d.h. keine Beratungsscheine ("Lizenz zum Töten") ausstellen, freilich mit dem Risiko, dass Unentschiedene gar nicht mehr zur Beratung kommen?

Darüber wird in der Kirche heiß diskutiert, auch wenn die "offizielle Kirche" eher zur zweiten Ansicht tendiert.

1000+ stellt, so Frau Ndema in den Gottesdiensten des 3. Januars, bewusst keine Beratungsscheine aus. Sie verstehen sich aber dennoch Pro Femina (für die Frau bzw. werdende Mutter), wie die hinter der Aktion stehende Vereinigung heißt. Sie gehören zum Netz von Antiabtreibungsorganisationen.

Während in solchen Organisationen viele Jahre mit Schockfotos abgetriebener Föten auf den Abtreibungsskandal hingewiesen wurde, versucht man jetzt positiv zu agieren. Man zeigt fröhliche Babys, die in 20 Jahren Profifußballer oder Managerin sein könnten, wenn man sie nicht vorher im Mutterleib getötet hätte. Man merkt 1000+ und ähnlichen Organisationen an, dass man weg vom Konzept der Drohung hin zu einem Konzept von Hilfe strebt. Den Frauen, die bei 1000+ anklopfen, werden keine Vorwürfe gemacht. Die praktische Hilfe soll im Vordergrund stehen.

Freilich kommt man letztlich wohl nie aus der Zwickmühle raus: Wenn man pro Kind und pro Femina ist, dann ist man - genauso wie Pro Familia) parteiisch. Natürlich ist auch die vergleichsweise softe Babyflaschenaktion ein Appell an das Gefühl. Auf der anderen Seite: Wie soll man eine derart gefühlsbeladene Angelegenheit, zudem mit vielen spannungsbeladenen Nebenthemen (Genderpolitik, Emanzipation, Ethik...) gleichsam "neutral" angehen - ein Ding der Unmöglichkeit!

Frau Ndema stellte im Anschluss an die Gottesdienste (8:45, 10:00, 11:30 und 18:30 Uhr) 1000+ kurz vor und stand dann hinten bei den Beichtstühlen für Fragen zur Verfügung. Ihr Name ist afrikanischen Ursprungs, weil die Deutsch-Brasilianerin mit einem Zulu-Mann verheiratet ist. Bei ihr konnte man auch eine Babyflasche abholen und mitnehmen, die man in den kommenden drei Wochen mit Spenden füllen kann. Dann sollte man die Flaschen - ggf. auch ohne Spenden - entweder bei den Gottesdiensten zurückgeben oder im Pfarrbüro abgeben.

Die deutschen Bistümer haben keine einheitliche Meinung über 1000+. Im Bistum Hildesheim wird es jeder Gemeinde selbst überlassen sich ein Urteil zu bilden. In Göttingen lief die Aktion neben Sankt Michael auch in St. Godehard bzw. Heinrich und Kunigunde.