Segensweg zum Nikolaus

Dreißig Familien machen sich am Nikolaustag auf den Weg. Wo soll man anfangen zu suchen?

Am Besten mal anklopfen bei Sankt Michael. Der Erzengel war gerade nicht zuhause, hatte aber seinen Assistenzengel an die Türe geschickt und von ihm gab es den ersten ultimativen Tipp:

Schaut doch mal in die Krippe hinter der Kirche. Dort ist tatsächlich die Nikolausgeschichte mit dem Kapitän und dem Getreidewunder aufgebaut.

Der Nikolaus selbst ist aber dort nicht. Nur der Kapitän, der die Geschichte erzählt und dann allen Kindern ein kleines Holzboot mit auf den Weg gibt und etwas Geld. Das Schiff steht dafür, dass der heilige Nikolaus der Patron der Seefahrer ist. Und das Geld würden die Kinder auf dem Weg noch gut gebrauchen. Aber wie geht es weiter?

Der Kapitän rät, sie sollen mal bei der Kirche des heiligen Nikolaus schauen. Dort gibt es vielleicht jemanden, der hilft. Und tatsächlich: vor der Nikolaikirche steht ein Student und fragt:

Wusstet Ihr, dass die Nikolaikirche die Kirche der Studierenden ist? Das ist kein Zufall. Denn Nikolaus ist auch der Patron der Schüler und Studenten. Ob die Kinder schon ihren Namen schreiben können? Dann sollen sie ihn auf ihr Schifflein schreiben. Zur Belohnung und als Wegzehrung bekommen alle Kinder das, was Studenten am liebsten futtern: Eine Packung Studentenfutter. Und dann den Tipp: Geht weiter zum Steg der Liebenden hinter der Marienkirche. Dort gibt es jemanden, dem der Nikolaus auch geholfen hat.

Der Weg durch die Nikolaistraße und bis zur Marienkirche zieht sich ein bisschen, aber er lohnt sich. Am Steg über den Leinekanal steht ein frisch gebackener Ehemann. Und er erklärt: Die Brücke über den Leinekanal hängt voller Schlösser, die Liebespaare dort angebracht haben. Auf den Schlössern stehen ihre Namen. Nikolaus ist auch der Patron der Liebenden und der Jungvermählten. Als Zeichen der Liebe – und weil auch bald die Dunkelheit einbrechen wird – bekommt jedes Kind ein Licht, mit dem es sein Boot beleuchten kann. Der frisch Verheiratete weist auch den Weg: Immer am Leinekanal entlang bis zur übernächsten Brücke. Dort steht ein Mensch, der wird Euch ansprechen …

Und so ist es auch: Ein Mann mit Zylinder und bunter Tracht behauptet: Ich bin Knecht Ruprecht. Der Nikolaus hat mich bekehrt. Ich strafe keine Kinder mehr, wenn sie ungezogen waren. Ich habe mich auf ein neues Geschäft verlegt: Ich verkaufe Erdnüsse!

Dafür also war das Geld, das ihnen der Engel mit auf den Weg gegeben hatte. Für eine Goldmünze durften sich die Kinder ihr Schifflein mit Erdnüssen vollladen bevor es weiter ging zum Nikolaus.

Und dann sind sie da: Im Innenhof der Reformierten Gemeinde steht der Nikolaus plötzlich vor ihnen wie eine Säule. Hochgewachsen ist er aber auch gütig. Er spricht über jedes Kind ein Segensgebet und gibt Ihnen als Andenken einen kleinen Schokonikolaus mit nach Hause.

Inzwischen ist es spät geworden. Alle Familien sind zurück in ihren Wohnungen. Und auch der Nikolaus und alle seine Helfer sind wieder daheim. Vielen Dank für den schönen Nachmittag!