Kirchenführer

Geschichte

Die Citykirche Sankt Michael in Göttingen wurde im Jahre 1789 als erstes römisch-katholisches Gotteshaus geweiht. Katholiken waren damals im lutherisch geprägten Göttingen eine kleine Minderheit.  

Äußere Gestalt

Zunächst sollte sich auch die Michaelskirche möglichst unauffällig in die Häuserfront zur Straße einfügen. Die hohe Fassade und der Glockenturm wurden erst 1893 genehmigt und aufgesetzt. 1986 wurde an der Nordostecke der Fassade eine moderne Bronzedarstellung des Erzengels Michael von Josef Baron angebracht.

 

Der Raum

Das Innere der Kirche wurde 2014 von Gido Hülsmann aus Bochum neu entworfen. Durch seine radikale Reduktion des Inventars wurde der Raum mehr denn je zu einem Ort der Stille.

Der Fußboden ist mit dunklem, armenischen Lava-Basalt ausgelegt, vulkanischem Gestein, das aus dem Inneren der Erde stammt.

Wände, Decke und Einrichtungsgegenstände sind in hellem Weiß gehalten und verändern sich je nach Einstellung der Raumbeleuchtung. Hinter dem Altar und in den Fensternischen sind dreiteilige - sich zum Raum hin öffnende Alabasterwände aufgestellt. In ihnen sind Leuchtdioden verborgen, die den Alabaster in den Gottesdiensten erstrahlen lassen.  

Apsis

Im Zentrum der Apsis hängt ein Kreuz aus vergoldetem Messing und mundgeblasenem Glas. Es stammt aus der Kunstschmiede von Benediktinerpater Abraham Fischer von der Abtei Königsmünster in Meschede.

Altarinsel

Unter dem Kreuz liegt die Altarinsel mit Ambo und Altar. Sie sind wie der Taufstein in der Mitte der Kirche und die Weihwasserschalen an den Eingängen aus Carrara-Marmor gefertigt. Vom Ambo werden die biblischen Zeugnisse des Glaubens vorgetragen und ausgelegt. Am Altar feiert die Gemeinde in Erinnerung an Jesu Tod und Auferstehung ihre Gemeinschaft mit Gott. Ein Teil der dabei geweihten Brothostien wird hinter der Altarwand in einem Tabernakel aufbewahrt. Als Zeichen der Gegenwart Gottes brennt auf der linken Altarseite das Ewige Licht.

Kruzifix

Kruzifix

Der älteste Kunstgegenstand in Sankt Michael ist ein hölzernes Kreuz mit Corpus aus dem 16. Jahrhundert. Es gehört schon seit über 200 Jahren zum festen Bestand unserer Kirche.

 

 

 

Orgel

Die wuchtige Orgel wurde von der Firma Eisenbarth in Passau 1989 gebaut und auf der Empore aufgestellt. Im Zuge der Renovierung 2015 wurde sie mit weißen Holzlamellen verkleidet.

Maria

Die Mutter Jesu ist für viele Menschen der Inbegriff tröstlicher Gottesnähe. Ihr ist ein eigener Gebetsraum im hinteren Teil der Kirche gewidmet.   Von morgens bis abends kommen Menschen an diesen Ort, ruhen sich aus, beten oder zünden eine Kerze an.

Hier liegt auch ein Buch aus, in das Gebetsanliegen geschrieben werden können. Auch der Opferkerzenaltar ist ein Werk aus der Schmiede von Abraham Fischer. Die darin eingefügte Marienikone stammt aus Russland.

Edith Stein

Im Eingangsbereich steht eine Bronzefigur, die auffällig grob gearbeitet ist und eine Frau mit leicht verdrehtem Oberkörper darstellt. Die Figur und eine daneben angebrachte Tafel erinnern an die jüdische Philosophin Edith Stein und spätere Karmelitin Teresia Benedicta vom Kreuz. Edith Stein studierte von 1913 bis 1915 in Göttingen. Einer ihrer Tagebucheinträge aus dieser Zeit belegt, dass sie eines Abends lange vor der verschlossenen Michaelskirche stand.  

Die Darstellung des Bildhauers Peter Marggraf lässt etwas von dem Leid durchblicken, das einige Jahre später ihr und Millionen anderen jüdischen Menschen zugefügt wurde. Sie erinnert die Eintretenden auch an die Leidenden und Ausgegrenzten unserer Tage.

Beichtraum und Beichtstuhl

Jeden Samstagmorgen besteht hier die Möglichkeit, sich in geschütztem Rahmen einem Geistlichen zu offenbaren und das Sakrament der Versöhnung zu empfangen. Der Beichtende hat dabei die Wahl zwischen einer anonymen Ohrenbeichte ( rechte Tür ) oder einem Beichtgespräch ( linke Tür ), bei dem sich Beichtender und Priester gegenüber sitzen.

 

 

 

Weihwasser

An den Eingängen gibt es Schalen mit Weihwasser, mit dem sich die Kirchenbesucher in Erinnerung an ihre Taufe bekreuzigen. Wer davon mit nach Hause nehmen möchte, kann sich beim Orgelaufgang ein Fläschchen abfüllen.

Jesuiten

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Leitung der Pfarrgemeinde der Gesellschaft Jesu anvertraut. Die Ordensmänner wohnen im benachbarten Pfarrhaus.