Geistlicher Impuls zum Freitag in der Dritten Osterwoche

Unendlicher Resonanzraum

Das Evangelium und andere Texte für den heutigen Tag finden Sie in der Online-Kalender-Version des Schott-Messbuches der Erzabtei in Beuron.

 

IMPULS

 

Der Mai ist gekommen... In der katholischen Frömmigkeit ist es ein Monat, der in besonderer Weise Maria gewidmet ist. Mancherorts ist die Tradition der Maiandachten noch lebendig. Das freudige Schauen auf Maria und ihre Verehrung hat ein gutes biblisches Fundament: „Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter“ (Lukasevangelium, 1. Kapitel, Vers 48). Denn: Ihr Herz steht offen für die Berührung durch Gott; daher kann sie Jesus, das menschgewordene Antlitz Gottes, zur Welt bringen; sie begleitet ihren Sohn auf seinem Weg, auch durch eigenes Nicht-Verstehen hindurch; als Schmerzensmutter steht sie unter seinem Kreuz; nach Ostern gehört sie zum Kern der ersten Gemeinde. So wird sie – in Freude und Schmerz - zum Urbild eines gläubigen Menschen

Glaube lebt nicht von Worten allein oder gar abstrakten Begriffen, er nährt sich auch von Anschauung, Bildern und Vorbildern. Geist und Gemüt, Kopf und Herz wollen zu ihrem Recht kommen. Was ein von Gott berührtes Leben sein kann, bricht sich in vielen Bildern und Zeichen. Die Bilder haben ihre Leuchtkraft, die Zeichen ihre Prägnanz – vom Licht des Gottes her, der als der Entzogene doch so unsagbar nahe ist.

Die Gestalt Mariens hat sich in bildender Kunst, in Musik und Lied in einen schier unendlichen Resonanzraum hinein ausgelegt. Nicht alles davon muss meine eigene Seele ins Schwingen bringen. Aber manchmal kann sich, wie von einem springenden Funken, ein Licht in meinem Innern entzünden. Ein Licht, in dem ich, gespiegelt in wahrnehmbarer Schönheit einer konkreten menschlichen Gestalt, etwas von der Herrlichkeit Gottes erahne.


Clemens Maaß SJ