Geistlicher Impuls zum Montag in der Vierten Fastenwoche

Mit Ungewissheiten leben.

Das Evangelium und andere Texte für den heutigen Tag finden Sie in der Online-Kalender-Version des Schott-Messbuches der Erzabtei in Beuron.

 

IMPULS

 

Es ist alles ziemlich paradox. Gemeinsame öffentliche Gottesdienste zu feiern gehört zu den Hauptzwecken von Kirche. Gleichzeitig kann sie diesen Zweck nicht mehr erfüllen, will sie nicht Leib und Leben ihrer Glieder und damit sich selbst gefährden.

Ähnlich der Staat: Er soll ein Zusammenleben in Freiheit garantieren und muss genau das radikal beschneiden. Alles kann auf einmal ganz anders sein. Ordnungen sind genauso verletzlich wie wir selbst. Distanz wird zum Ausdruck von Zuwendung, „2 m“ zur neuen Maßeinheit von Nähe.

Wir erhoffen Antworten, nicht nur theoretische, sondern vor allem praktische. Wissenschaften sollen verlässlich Auskunft geben, Politik soll tatkräftig entscheiden. Zugleich erkennen und entscheiden wir nur bruchstückhaft, jede Antwort treibt neue Fragen hervor.

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina hat es gut ausgedrückt: „Diese hochdynamische und so noch nicht Situation birgt Unsicherheiten und erfordert unkonventionelle Lösungen, deren Auswirkungen und nicht intendierte Nebenwirkungen in ihrer Tragweite größtenteils nicht vollständig antizipiert werden können…die Wissensgrundlage ändert sich ständig und Handlungsempfehlungen müssen im Lichte neuer Erkenntnisse angepasst werden.“

Umgehen mit Kontingenz, Aushalten von Nichtwisssen. Christen mag das daran erinnern, was Paulus im Römerbrief über den göttlichen Beistand schreibt: „Denn wir wissen nicht, was wir in rechter Weise beten sollen.“ Und fährt fort: „Der Geist selber jedoch tritt für uns ein mit unaussprechlichen Seufzern“. Beten wir um diesen Geist Gottes!

Clemens Maaß SJ